
Konjunkturbericht 1. Quartal 2023Frühjahrsbelebung im Handwerk
Besser als erwartet fielen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage im Handwerk in den Landkreisen Konstanz, Waldshut, Rottweil, Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis aus. Grund hierfür dürften die deutlich gesunkenen Großhandelspreise für Energie und die anhaltende Nachfrage nach energiesparender Haustechnik sein.
„Die Entwicklung stimmt unsere Betriebe optimistisch und wir sind froh, dass sie überwiegend gut durch den Winter gekommen sind. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das Konsumverhalten der Bürger weiterentwickelt, welche Personalkostensteigerungen es geben wird und wie der geplante Umbau der Energieversorgung realisiert werden kann, ohne zum zusätzlichen Kostentreiber zu werden“, sagt Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz.
Während die Auftragsbücher im Ausbaugewerbe nach wie vor gut gefüllt sind, ist der Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe deutlich zurückgegangen. „Die Rahmenbedingungen fürs Bauen sind gerade unübersichtlich. Förderungen für energieeffizientes Bauen wurden runtergestrichen, die Investitionen der öffentlichen Hand sind aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen zurückgegangen“, erläutert Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz.
Rund zwei Drittel berichten von guter Geschäftslage
Die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk waren im ersten Quartal mit der Geschäftslage überwiegend zufrieden, so ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer. 63 Prozent bezeichneten die Geschäftslage mit „gut“. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (46,6 Prozent) hat der Anteil der positiven Meldungen sogar deutlich zugenommen. Nicht zufrieden mit der Geschäftslage waren lediglich 12,6 Prozent der Betriebe (1. Quartal 2022: 14,9 Prozent). Die weitere Geschäftsentwicklung wird optimistisch eingeschätzt: 38,8 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage.
Handwerksbetriebe nach wie vor gut ausgelastet – Rückgänge bei Bauhauptgewerbe
Die Auftragslage zeigte sich im ersten Quartal 2023 ebenfalls besser als vor Jahresfrist. 33,4 Prozent meldeten einen Auftragsanstieg. 31,9 Prozent indes meldeten einen rückläufigen Auftragsbestand. Insgesamt beschrieben die regionalen Handwerksbetriebe ihre Auftragslage aber positiver als der Landesdurchschnitt.
Gut sah es auch bei der Betriebsauslastung aus. 44,7 Prozent der Betriebe verzeichneten einen Auslastungsgrad von zwischen 81 und 100 Prozent. Im Vorjahresquartal waren dies nur 36,7 Prozent. 13,8 Prozent der Betriebe arbeiten sogar über die Kapazitätsgrenze hinaus. Bei den Ausbaugewerken meldete dies sogar rund jeder dritte Betrieb.
Die Branchen im Einzelnen
Deutlich aufgehellt hat sich die Konjunktur im ersten Quartal beim Dienstleistungshandwerk und im Kfz-Gewerbe. Zwar spüren die konsumnahen Gewerke weiterhin die gestiegenen Lebenshaltungskosten der Verbraucher. Dennoch haben die Branchen sich im Vorjahresquartalsvergleich am stärksten verbessert. Bei den Kfz-Betrieben löst sich langsam die Chip- und Materialkrise. Das Bauhauptgewerbe bewertete die allgemeine Lage noch mit gut (64,71 Prozent), beim Auftragseingang sind jedoch die Negativmeldungen stark gestiegen. Auch die Umsatzeinschätzung war im Vorjahresvergleich verhaltener. Am zufriedensten bewerteten die Ausbauhandwerker ihre Lage: 86,96 Prozent der Betriebe geben der aktuellen Geschäftslage die Note „gut“, nur 8,7 Prozent „schlecht“.
Stimmen zur konjunkturellen Lage aus dem regionalen Handwerk
Mark Gwinner, Installationsbetrieb aus Rottweil
„Heizungen sind das tagesbestimmende Thema, das höre ich auch von den Kollegen. Unser tägliches Brot ist momentan der Einbau von Gas- und Ölheizungen. Die Anfragen sind so hoch wie noch nie. Wir versuchen von den Herstellern alles zu bekommen, was zu bekommen ist, weil wir täglich Anfragen haben. Sehr viele Kunden möchten vor dem 1. Januar 2024 noch eine Heizung zu den alten Bedingungen bekommen. Das heißt für uns, dass wir alle anderen Arbeiten wie Bäder und Sonstiges so gut wie möglich verschieben und versuchen, unsere Kunden dahingehend zu bedienen. Die Beratung zu regenerativen Energien ist derzeit nicht so gefragt. Allerdings ist die Liefersituation für Gas- und Ölheizungen sehr zugespitzt. So etwas habe ich in 22 Jahren noch nicht erlebt. Man bekommt eigentlich vor Jahresende gar keine Ölheizungen mehr, bei den Gasheizungen spitzt sich die Lage derzeit ebenfalls zu. Einfach mal kurz eine Öl- oder Gasheizung zu bestellen wie früher, das funktioniert so nicht mehr.
Im Moment ist das eine gute Situation für uns, die sich aber sicherlich im nächsten Jahr verschlechtern wird. Für uns gilt im Moment, uns gut zu organisieren, um den vielen Anfragen gerecht werden zu können.“
Carina Wietschorke, Elektrohaus Wietschorke in Bonndorf
„Momentan sind wir komplett ausgelastet. Schwerpunkt liegt beim Neubau und der Installation von PV-Anlagen. Durch die Förderungen ist der Bedarf weiter gestiegen. Auch im Bereich Sanierung sind wir aktiv. Der Handel läuft eher verhalten, da die Preise nach Corona und mit dem Ukrainekrieg gestiegen sind. Die Konkurrenz im Internet ist einfach schon seit Langem groß.
Sonst läuft es wirklich gut bei uns und wir kommen kaum hinterher. Wir könnten noch viel mehr machen, aber wir sind halt nur 10 Personen. Für die Zukunft mache ich mir keine Gedanken. Vielleicht geht der Einfamilienhausbau etwas zurück, dafür gibt es mehr im Sanierungsbereich zu tun.“