112. VollversammlungHandwerk fordert Politik zum Bürokratieabbau auf

07.12.2023: Die Vollversammlung der Handwerkskammer Konstanz tagte in der Bildungsakademie Singen. Neue Wahlen stehen im Juli 2024 an.

Mitglieder der Vollversammlung sitzen an Tischen hören Vortrag von Raimund Kegel zu.
HWK KN
Die Mitglieder der Vollversammlung in der Bildungsakademie Singen.

Nicht an der falschen Stelle sparen, dazu forderte Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, die Politik auf der jüngsten Vollversammlung der Handwerkskammer Konstanz auf. Nur durch die nötigen Investitionen könne die Zukunftsfähigkeit Deutschlands gesichert werden, sagte er in der Bildungsakademie Singen. Die Energiewende müsse für Unternehmen und Haushalte planbarer werden. Außerdem solle die Politik den Abbau der Bürokratie angehen: „Die Welt ist komplex genug. Lasst uns die Dinge vereinfachen. Handwerk will arbeiten, nicht verwalten!“

Duale Ausbildung als Chance

Beim Thema Fachkräftebedarf wies Rottler auf die hohe Zahl an Menschen ohne qualifizierte Berufsausbildung hin. „Allein in Baden-Württemberg sind es aktuell 379.000 Menschen zwischen 20 und 35 Jahren“, zitierte er die Statistik. „Ich bin ein Verfechter der dualen Berufsausbildung“, sagte er. Diese könne dafür sorgen, dass jeder mitgenommen werde und eine Chance habe. „Junge Menschen brauchen eine qualifizierte Berufsausbildung, damit sie ihr Leben auch langfristig selbstbestimmt und finanziell unabhängig führen können.“ Er forderte, bei allen Bemühungen, Menschen aus anderen Ländern als Fachkräfte zu gewinnen, sich intensiver der Menschen ohne Berufsausbildung hierzulande zu widmen.

Wertschätzung fürs Handwerk

Um mehr Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, ist auch die seit 2010 bundesweit laufende Imagekampagne da. Durch diese soll die Wertschätzung für handwerkliche Leistung weiter verbessert werden und auch die Potenziale für die berufliche Weiterentwicklung aufgezeigt werden. Von 2025 bis 2029 soll die vierte Staffel der Kampagne auf das Handwerk aufmerksam machen. Die Vollversammlung sprach sich mehrheitlich für eine Weiterführung aus.

Wahl zur Vollversammlung im Juli 2024

Thema war außerdem die anstehende Wahl zur Vollversammlung im kommenden Jahr. Am 7. Juli 2024 sind die 13.000 Handwerksbetriebe des Kammerbezirks aufgerufen, nach fünf Jahren eine neue Vollversammlung zu wählen. Ebenso ging es um die anstehenden Europawahlen im Juni und die gemeinsamen Forderungen, die durch den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) platziert werden sollen. Raimund Kegel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Justiziar der Handwerkskammer, stellte die Forderungen zur Energiepolitik, Digitalisierung, Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und Wettbewerb im EU-Binnenmarkt vor.

Unterstützung fürs Ehrenamt

Weiter informierte Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner über die Ehrenamtsakademie, die engagierte Handwerker unterstützen will, ihr Ehrenamt noch besser auszufüllen und auch potenzielle Ehrenamtstätige auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Als landesweite Initiative aller Kammern können sich Mitglieder digital und in Präsenz in Themen wie Rhetorik und Versammlungsleitung kostenfrei weiterbilden.

Zur wirtschaftlichen Lage der Handwerkskammer erklärte Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner den Mitgliedern, dass die Kammer mit ihren Liegenschaften auch von den allgemeinen Kostensteigerungen betroffen sei. Der konsolidierte Wirtschaftsplan für 2024 ermögliche es aber, dass die Kammerbeiträge für die Mitgliedsbetriebe stabil blieben.