Holzbildhauer-HandwerkSamuel Kammerer schnitzt Weihnachten
15.12.2023: Josef, Maria und das Jesuskind – das ist Weihnachten. Holzbildhauer Samuel Kammerer schnitzt schon seit Monaten an der Weihnachtsgeschichte, die am Heiligen Abend ihren Höhepunkt erreicht.

Letzter Feinschliff: Samuel Kammerer arbeitet bei dem Hirtenjungen noch die letzten Locken heraus. Im Hintergrund steht die fertige Krippe samt Kamel, bei der alles Handarbeit ist.
Die Bildhauerwerkstatt von Samuel Kammerer hat sich schon Ende November unter einer Schneedecke versteckt. Der Winter ist da und bedeckt den Schwarzwald. Über die schmale Straße den Berg hinauf ist die Fahrt zum Haus im Triberger Ortsteil Nußbach ein kleines Abenteuer in der Schwarzwald-Idylle. Kammerer schnitzt in seiner Werkstatt an Weihnachten – Josef, Maria und das Jesuskind. Eine bessere Kulisse kann man sich nicht vorstellen.
Mit dem Hohlbeitel frisiert Samuel Kammerer gerade das Jesuskind. Ein echter Lockenschopf ist der Spross der Heiligen Familie. „Das Jesuskind hat immer eine Menge Haare, am besten Locken. Keiner möchte ein Jesuskind ohne Haare“, erzählt Kammerer, während er Stück für Stück die Haarpracht herausarbeitet und feine Holzspäne zu Boden fallen.
Der 59-Jährige hat die Bildhauerkunst schon in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater war Schreiner. „Eigentlich wollte ich zuerst Goldschmied werden, doch dann hätte ich für die Lehre meine Heimat verlassen müssen“, erinnert sich der Triberger, während er munter weiterschnitzt. „Das wollte ich nicht. Und so habe ich in Schonach eine Lehre zum Holzbildhauer absolviert und 1989 dann auch meinen Meister gemacht.“
Aus Ideen werden Holzskulpturen
Bereut hat er diese Entscheidung nie, ganz im Gegenteil. Sein Beruf fasziniert ihn auch nach so vielen Jahren noch. „Es ist beeindruckend, dass man alles aus Holz herstellen kann, was auch in der Natur vorkommt, und, dass man seine eigenen Ideen verwirklichen kann“, schwärmt er. Die Werkstatt ist ein Ort, an dem sich Traditionen treffen.
Schon beim Betreten des Hauses blicken freundliche und auch gruselige Larven – hölzerne Masken für die Fasnacht – von der Decke herab. Auch Berühmtheiten wie Albert Einstein, Helmut Kohl und Hollywoodlegende Clint Eastwood hat Kammerer als Masken in Holz verewigt. Klassische Schwarzwälder Kuckucksuhren stehen hier neben detailgetreuen Weihnachtskrippen. Ein Sammelsurium herausragender Bildhauerkunst.
Holzkrippen gehören für viele zu Weihnachten
Trotz Digitalisierung und Automatisierung werden seine kleinen und großen Kunstwerke nachgefragt. Weihnachtskrippen gehören für viele zu Weihnachten – ganz analog und zum Anfassen. „Aber eher die moderne Variante. Ohne Faltenwurf. Oft sollen die Krippen so sein, dass die Kinder auch damit spielen können“, weiß er von seinen Kunden.
Immer beliebter ist der Brauch, dass Eltern ihren Kindern, die einen eigenen Hausstand gegründet haben, eine Krippe schenken. „Meist dann nur die Heilige Familie samt Ochs und Esel. Alles andere wäre auf einen Streich zu teuer“, erzählt der Bildhauer. Dafür werde die Krippe dann jährlich um eine Figur ergänzt.
Jede Krippe hat ihren eigenen Stil. „Bei den Barockkrippen kann man sich mit Faltenwürfen richtig austoben“, schwärmt Kammerer. Als Vorbild dienen ihm Krippen aus Südtirol. Über die Jahre hat er jedoch auch seine ganz eigene Krippen-Handschrift entwickelt. „Den Josef schnitze ich am liebsten, da er am einfachsten ist.“ Obwohl er einen Bart hat? „Den hat man schnell intus“, sagt er und schmunzelt.
Krippen, Kuckucksuhren und Fasnacht
Das Lindenholz für seine Arbeit bezieht er aus dem Elsass. Da sei das Holz wegen des Klimas gefälliger. „Bei uns ist selbst das Lindenholz durch die strengen Winter viel zu hart.“ Reine Handarbeit sind bei ihm Krippen mit Figurengröße ab 20 Zentimeter. „Die gängigsten Größen sind zwar zwölf bis 15 Zentimeter, aber die Figuren muss man mit der Maschine vorfertigen, sonst werden sie für den Kunden aufgrund der filigranen Kleinarbeit viel zu teuer“, sagt er.
Weihnachten beginnt bei Samuel Kammerer bereits im September, denn Krippenkunden möchten ihre Figuren spätestens im Dezember abholen. „Im Dezember ist längst schon wieder die Fasnacht an der Reihe“, berichtet er. Und wenn die durch ist, dann beginnt die Zeit der Schnitzereien für Kuckucksuhren.
Jede Jahreszeit hat also ein ganz eigenes Thema. „Das macht den Beruf sehr abwechslungsreich“, gerät Kammerer ins Schwärmen. Schade sei allerdings, dass er bei den jungen Leuten nicht mehr gefragt sei. „Keiner will ihn mehr lernen.“ Dabei entwickle sich die Arbeit stets weiter. „Man muss schauen, wo der Trend hingeht, man muss flexibel sein und sich immer auch mal wieder neu erfinden“, so das Patentrezept von Samuel Kammerer, der nun stolz seine Heilige Familie samt Ochs und Esel, Hirten, Schafen und sogar einem Kamel präsentiert.
Holzbildhauer im Kammerbezirk
Im Schwarzwald hat die Holzbildhauerei eine lange Tradition. Kuckucksuhren und Weihnachtskrippen sind weltweit bekannt. Im Kammerbezirk Konstanz stieg die Zahl der Betriebe in den vergangenen 20 Jahren von 21 auf 35 an. Allerdings gibt es laut Landesinnung derzeit keinen Auszubildenden in Baden-Württemberg.