
Larvenschnitzen ist das Hobby von Zimmerermeister Georg Albrecht. Schritt für Schritt formt er aus dem Holzklotz ein Stück süddeutsche Tradition.
FastnachtZimmerermeister Georg Albrecht aus Rottweil schnitzt Larven
Sie sind das Gesicht der Fastnacht: die Holzmasken oder Larven, wie sie in Rottweil heißen. Zimmerermeister Georg Albrecht schnitzt diese Schmuckstücke in seiner Freizeit. Und das seit vielen Jahren.
In seinem Zimmereibetrieb am Rottweiler Rosswasen hat er dafür ja auch alles, was er benötigt. „Nur Zeit sollte man etwas mehr haben“, bedauert er, während er den Lindenholzklotz vor sich mit dem Schnitzwerkzeug bearbeitet. Doch wenn Georg Albrecht Larven schnitzt, dann ist er ganz in seinem Element und kann eintauchen in das Fastnachtshandwerk, das für die Fortführung der Tradition so wichtig ist. Aber in der Zimmermannsausbildung lernt man das wohl nicht?! „Oh nein“, sagt er lachend und erzählt, dass er seine erste Larve bereits im Alter von acht Jahren geschnitzt hat. Beigebracht hat er sich das Schnitzen selbst. Die Fastnacht hat ein Rottweiler quasi im Blut, und das Talent wurde Georg Albrecht offenbar von seinem Vater und Großvater in die Wiege gelegt – beide waren ebenfalls Zimmerer.
Bereits früh hat Georg Albrecht die bildhauerische Richtung eingeschlagen, hat damit geliebäugelt, sich ganz der Kunst zu verschreiben, war sogar an der Akademie. Doch dann hat er sich schließlich für das bodenständige Handwerk entschieden. 1995 hat er den väterlichen Betrieb übernommen.
Das Schnitzen hat er beibehalten und auch das eine oder andere beeindruckende Kunstwerk entsteht in der Werkstatt – aber eben eher selten. „Geschnitzt wird überwiegend im Winter. Ab Dreikönig – dem Beginn der schwäbisch-alemannischen Fastnacht“, so Albrecht. Alle Larventypen sind auf seiner Werkbank bereits entstanden. „Ich bin froh, dass das wechselt, das ist wichtig, um die Individualität auch beizubehalten.“
Geschnitzt wird frei, „ich schaue aber natürlich nach den Maßen“, erklärt er. Die Nase des Federahannes, der aus dem Holzklotz einmal entstehen soll, ist schon sehr deutlich zu sehen. „Das Gesicht entwickelt sich Stück für Stück“, erklärt Albrecht, während er das Holz bearbeitet. Und tatsächlich. Der Laie, der sich das in diesem Stadium noch nicht so richtig vorstellen kann, gerät schnell ins Staunen, denn bereits nach einer Stunde sind Stirn, Augen, und Mund ansatzweise zu erahnen. „Das Schnitzen ist eine schöne Arbeit und macht Spaß“, sagt Albrecht. Bis man das Schnitzhandwerk beherrsche, brauche es aber viel Zeit.
Jede Larve ist ein Unikat. Und jede damit für sich ganz unterschiedlich. Während der Federahannes mit seinen großen Hauern besticht, ist es bei der Glattlarve des Fransenkleidles das liebreizende Gesicht mit der hohen Stirn, das fasziniert. Die Larve des Gschell ist ganz ähnlich, doch das Gesicht erscheint durch die hohe Nasenwurzel und die „kürzere“ Stirn länger.
Wichtig ist beim Schnitzen, sich an gewisse Vorgaben zu halten, denn schließlich soll die Larve ja dem prüfenden Blick der Narrenzunft standhalten und die begehrte Plakette erhalten, damit das Narrenkleid dann auch ganz offiziell am Narrensprung teilnehmen darf.
Wenn die Larve fertig geschnitzt ist, muss sie noch gefasst, also bemalt, werden. Auch das macht Georg Albrecht mittlerweile selbst. In einem anderen Raum allerdings, denn Staub aller Art mögen die frisch gefassten Larven gar nicht. Auf dem Maltisch liegen sie fein aufgereiht zum Trocknen. Bis die nächste Lackschicht aufgebracht werden kann, dauert es wohl noch eine Weile.
Und was ist das Allerschönste? „Wenn man seine Larven schließlich auch im Narrensprung wieder erkennt“, sagt Georg Albrecht. Und dabei geht ihm förmlich das Herz auf.